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Bewegender Abschied von Manfred Stolpe

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Bewegender Abschied von Manfred Stolpe

 Über 500 geladene Gäste und Weggefährten (sowie zahlreiche Potsdamer auf der Empore) nahmen am 21.1.20 in der Nikolaikirche Potsdam  mit einer würdigen, anrührenden Feier Abschied von Manfred Stolpe. Auch der Vorsitzende des Sozialwerks war dabei. Unter den Trauergästen sah man Steinmeier, Schröder, Süssmuth, Giffey, Schwesig, Müller, Diepgen, Thierse, Tiefensee, Trittin, Platzeck, den Hohenzollernprinzen, das gesamte Kabinett Woidke, die ehemaligen Minister der Stolpe-und Platzeck-Ära, alle Landräte Brandenburgs, viele Wissenschaftler, seine Lionsfreunde und auch Künstler wie Katja Ebstein, Dagmar Frederic oder Jochen Kowalski. Die Trauergäste erhoben sich, als Ministerpräsident Woidke die Familie (Witwe Dr. Ingrid Stolpe, Tochter Kathrin mit Ehemann, die Enkel Felix und Finn) und den Bundespräsidenten mit Gattin zu ihren Plätzen geleitete. Der kirchliche Teil der Feier, ein Gedenkgottesdienst, war geprägt von der Liturgie, dem gemeinsamen Gesang (u.a. „Nun danket alle Gott“), musikalischen Intermezzi mit Orgel und Trompete, zwei Motetten (vom Vokalensemble arpadio), einer Lesung aus Erinnerungen Stolpes und einigen Fürbitten, u.a. durch Matthias Platzeck. Landesbischof Stäblein hielt die Predigt, er ging auf die Verdienste des Verstorbenen ein, in der DDR  habe er in der Kirche „Freiräume für Andersdenkende“ ge-schaffen. Später als erster Ministerpräsident war er ein Landesvater, der als Christ „ immer anderen zur Seite stehen wollte“. Zentrale Botschaft der Predigt war der Bezug auf den Römerbrief 12.21. „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“. In sehr angemessener Weise erinnerte Stäblein auch an das Leiden des Manfred Stolpe, das sein Leben seit 2004 durchzog. Man merkte ihm, der erst seit November im Amt ist, an, dass er, was die DDR-Zeit betrifft, selbst Lernender ist („man hat mir berichtet“), so dass auch mal ein Lapsus dabei ist, etwa wenn er den Schlager „Über sieben Brücken musst du gehen“ Maffey zuschrieb. Mit dem gemeinsamen Gebet des Vaterunsers endete der Gottesdienst. Dann folgte, mit einer Improvisation von Orgel und Trompete („Halleluja“ von Cohen) als Überleitung der weltliche Teil, die Gedenkfeier der Landesregierung, sichtbar durch das Aufstellen eines Rednerpults mit dem roten Adler. Dieser Teil war geprägt von den Wünschen des Verstorbenen: Das Polizeiorchester Brandenburg brachte drei Lieder zu Gehör: „Über 7 Brücken musst du gehn“ (Karat), „Bridge over Troubled Water“ (Paul Simon) und „My Way“ (Paul Anka). Dazwischen gab es Ansprachen von Bundespräsident Steinmeier, Ministerpräsident Woidke und Ex-Bundestagspräsidentin Süssmuth, in denen Manfred

Stolpe mit allen Facetten seines erfüllten Lebens gewürdigt wurde. Steinmeier bezeichnete Stolpe als „überragende politische Persönlichkeit“, die vermittelte, versöhnte und Menschen aufrichtete, „er war ein echter Brückenbauer“. Auf die Stasivorwürfe eingehend, erinnerte er daran, dass viele Oppositionelle Stolpes Telefonnummer in der Tasche hatten, was das Ge-fühl gab, im Notfall Hilfe zu erhalten. Für diese menschliche Hilfe, die Stolpe geben konnte, so Steinmeier, reichte das Zwiegespräch mit Gott nicht aus, er musste mit dem Unrechts-staat reden. Er gab danach als Ministerpräsident den Brandenburgern eine neue Identität, nicht zuletzt durch das von ihm geschätzte „Steige hoch, du roter Adler“ als Hymne des Lan-des. Sein Einsatz für Ostdeutschland und seine Nähe zu den Menschen brachten ihm nicht nur den, von ihm übrigens gern gehörten, Ruf eines Landesvaters ein, sondern sogar den eines „Präsidenten Ost“. Woidke schilderte in sehr persönlichen Worten den prägenden Ein-fluss Stolpes auf ihn. Er hob seine Verdienste als Mittler zwischen Staat und Kirche zu DDR-Zeiten, als Ministerpräsident, als Meister der Kunst der Diplomatie hervor und erinnerte da-ran, dass Stolpe sich selbst oft scherzhaft als „Häuptling in der Streusandbüchse“ sah. Rita Süssmuth, 82jährig, von bewundernswerter geistiger Frische, entwarf in ihrer Würdigung Stolpes das Bild eines bekennenden Brandenburgers, Deutschen und Europäers, dem immer auch die Kontakte in den Osten (Polen, Russland) sehr wichtig waren. Ihre Bekanntschaft mit Stolpe schon zu DDR-Zeiten ließ sie ausrufen, er sei für sie ein „Lichtträger im Dunkeln“

gewesen. Am Ende ihrer Rede gab es, ganz ungewöhnlich, spontan Beifall. Die Feier endete mit dem gemeinsamen Gesang der Brandenburg Hymne „Steige hoch, du roter Adler“. Danach verharrten die Trauergäste, bis die Familie Stolpe und die Politprominenz die Kirche verlassen hatten. Es war ein würdiger Abschied von Manfred Stolpe, auch unser Verein gedenkt seiner mit hohem Respekt, war er doch öfter auch bei unseren Veranstaltungen ein gern gesehener Gast. Wer erinnert sich nicht daran, wie er es sich z.B. bei einer Weihnachtsfeier nicht nehmen ließ, eigenhändig den Kaffee einzuschenken.

 D.Schulze

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