Woche des Sehens 2026
"Woche des Sehens 2026"
Veranstaltung des Sozialwerkes Potsdam
Grußwort der Landtagspräsidentin Prof. Dr. Ulrike Liedtke, Geschäfts-. Beratungs- und Informationsstelle für Blinde und Sehbehinderte in Potsdam, 12.10.2026
Lieber Herr Dr. Schulze, lieber Herr König,
sehr geehrte Frau Prof. Dr. Liekfeld
liebe Mitglieder und Freunde des Sozialwerkes Potsdam,
liebe ehrenamtliche Helfer des Sozialwerkes,
meine sehr geehrten Damen und Herren!
Ein freier Gehweg und eine verständliche Haltestellenansage können darüber entscheiden, ob ein Mensch sicher und selbstständig ans Ziel gelangt. Wer gut sieht, bemerkt es kaum. Viele von Ihnen kennen das aus dem eigenen Alltag.
Wenn das Sehvermögen nachlässt, stellen sich oft sehr persönliche Fragen.
Wie komme ich weiter allein zurecht?
Wer unterstützt mich im Beruf?
Das Sozialwerk Potsdam bietet Beratung, informiert über Hilfsmittel und vermittelt Kontakte zum Mobilitätstraining. Ebenso wertvoll ist der Austausch mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Was ihnen im Alltag hilft, kann anderen Mut machen und neue Möglichkeiten eröffnen. Dabei entscheidet jeder Mensch selbst, welche Unterstützung er braucht. Wer helfen möchte, fragt am besten zuerst, wie er helfen kann. Und wer mit einem blinden Menschen spricht, richtet sich unmittelbar an ihn. Solche kleinen Gesten drücken Respekt aus, sie stärken das Vertrauen.
Die „Woche des Sehens“ ist wichtig, auch zum 25. Mal noch. Sie fordert uns auf, Erfahrungen zu teilen und Aufmerksamkeit zu schenken. Diese Aufmerksamkeit für Sie ist mir wichtig, deshalb freue ich mich, heute hier bei Ihnen zu sein. Nicht zum ersten Mal sage ich dem Sozialwerk Potsdam DANKE. Sie bringen Menschen mit Augenmedizinern und Fachleuten für Augenheilkunde zusammen, die medizinische Fragen beantworten und praktische Unterstützung anbieten. Herzlichen Dank für die heutige Veranstaltung! Sie verbindet die Aufklärung über Augengesundheit mit dem Einsatz für ein selbstbestimmtes Leben blinder und sehbehinderter Menschen. Beides gehört zusammen. Gesellschaftliche Teilhabe braucht sinnvolle Versorgungsstrukturen, auch den unkomplizierten Zugang zum Arzt.
Viele Augenerkrankungen entwickeln sich zunächst unbemerkt. Frühzeitige Diagnose und Behandlung können helfen, Sehvermögen zu erhalten. Ich danke den Ärztinnen und Ärzten sowie allen Beschäftigten der Augenheilkunde für ihre Arbeit. Gerade wenn eine Diagnose verunsichert, zählen neben fachlicher Kompetenz auch Zeit und ein offenes Ohr.
Meine Damen und Herren,
für uns in der Politik folgt daraus ein klarer Auftrag.
Das Grundgesetz sagt: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ Dieser Satz ist in mehrfacher Hinsicht zu untersetzen durch zugängliche Informationen, gesundheitliche Betreuung, geeignete Arbeitsbedingungen und nicht zuletzt durch öffentliche Wege, auf denen sich Menschen sicher bewegen können. Blinde und sehbehinderte Menschen müssen vor Ort immer schon an der Planung mitwirken können. Sie wissen aus eigener Erfahrung, wo Hindernisse liegen.
Das gilt auch für die Digitalisierung. Bleiben Schaltflächen unbeschriftet oder Formulare bedienbar, entstehen neue Hürden. Wer digitale Angebote entwickelt oder beschafft, muss ihre Barrierefreiheit von Beginn an berücksichtigen.
Auch unser Landtag trägt hier Verantwortung. Im Gebäude helfen ein Leitsystem und Beschriftungen in Brailleschrift bei der Orientierung. Im Foyer steht ein Tastmodell des Hauses. Solche Angebote erleichtern den Zugang zum Parlament. Entscheidend bleibt, ob sie sich im Alltag bewähren. Deshalb sind Ihre Hinweise für uns wichtig. Nutzen Sie den direkten Kontakt zu Ihrer Volksvertretung.
Besonders am Herzen liegt mir auch die kulturelle Teilhabe. Zur diesjährigen Woche des Sehens gehört am Hans-Otto-Theater eine „Zauberflöte“ mit Live-Audiodeskription. Dabei beschreiben Stimmen, was auf der Bühne geschieht, etwa Bewegungen und Gesten. So erschließen sich auch jene Teile der Inszenierung, die Musik und Dialog allein nicht vermitteln. Gemeinsam eine Aufführung erleben und anschließend darüber sprechen: Das gehört zu einem erfüllten gesellschaftlichen Leben.
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